• Stephan Busch

Warum rettet der Staat TUI und AIDA Kreuzfahrten?

Warum rettet der Steuerzahler jetzt AIDA Cruises und TUI Cruises mit Milliarden?



Während wegen Corona Millionen arbeitslos sind, viele von Hartz 4 leben müssen - mindestens 50% Prozent der internationalen Crew von Kreuzfahrtfirmen absolut gar nichts bekommen verschenkt der Deutsche Staat jetzt das Geld an Kreuzfahrtfirmen die in den letzten Jahren Millionen Gewinne gemacht haben ohne in Deutschland Steuern gezahlt zu haben. Während in der Gastronomie in Deutschland 19% Mwst normal ist, im Hotel 7% Mwst hat zum Beispiel TUI einen Steuersatz von 1,1% Prozent ( Quelle Panorama siehe unten). Aber zur Rettung muss der Steuerzahler herhalten?


Zudem war TUI schon ein hausgemachter Sorgenfall lange bevor es Corona gab:


“Wie andere Finanzinvestoren in früheren Jahren wirft Wyser-Pratte der Führung des Reise- und Schifffahrtkonzerns Missmanagement vor. "Es gibt keine vernünftige Strategie, keine Transparenz und keine Leistung. Egal welchen Maßstab man anlegt - TUI liegt immer spektakulär unter dem Durchschnitt", sagte der Investor. “

(Neuer TUI-Investor fordert Ablösung des Vorstands

https://www.spiegel.de/wirtschaft/reisekonzern-neuer-tui-investor-fordert-abloesung-des-vorstands-a-508373.html 28.09 . 2007)


Ohne Gnade gehen jetzt kleine und mittlere Betriebe der Gastronomie, Hotellerie und Event branche in die Pleite aber die Konzerne die das Geld ja nicht einmal an die Mitarbeiter weitergeben - sondern diese weiter entlassen - werden beschenkt? Warum nicht Pleite gehen lassen? Der Markt wird es regeln, oder nicht? Ist der Deutsche, der sein leben lang Steuern gezahlt hat - jetzt bei TUI Kreuzfahrten oder Aida teuer bucht - damit einverstanden - das sein bezahltes gar nicht versteuert wird?


Hier ein paar Schlagzeilen und Texte - aktuell und - als Erinnerung - der letzten Jahren bei denen man sich Fragen muss ob nicht die Crew, der Steuerzahler, der Arbeitslose dieses Geld verdient hätten und nicht Konzerne die nach Erhalt diese gigantischen Summen tausende Arbeitnehmer zusätzlich entlassen.


TUI im September 2020


“Tui sichert sich weitere Staatshilfen in Milliardenhöhe”

(9. September 2020, 18:55 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE)


“Damit sicherte sich der Tourismuskonzern Staatshilfen im Umfang von insgesamt drei Milliarden Euro. Ein im April gewährter Kredit der KfW über 1,8 Milliarden Euro soll nun um 1,05 Milliarden Euro aufgestockt werden. Überdies sollen 150 Millionen Euro über eine Wandelanleihe an Tui gehen, die der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes zeichnet.”

(9. September 2020, 18:55 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE)


“Die Tui-Gruppe hatte angekündigt, bis zu 8.000 Jobs vor allem im Ausland zu streichen. Außerdem soll die Flotte ihrer Airline TUIfly um mehr als die Hälfte verkleinert werden – dabei könnten dem Vernehmen nach 900 Vollzeitstellen wegfallen sowie mehrere Standorte geschlossen werden.”

(9. September 2020, 18:55 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE)


Muss man das finanziell Belohnen? Auf Kosten des Steuerzahlers?



Aida im November 2020


Aida bittet um Staatshilfe”

WIRTSCHAFT Woche

SAMSTAG, 07. NOVEMBER 2020


“Das Kreuzfahrt-Unternehmen Aida hat Staatshilfen beantragt. Wie der NDR unter Berufung auf einen Insider berichtet, ist ein entsprechender Antrag an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds gestellt worden. Dabei gehe es um Hilfen in Höhe von 400 Millionen Euro. Für die Summe würde der Staat bürgen” ( Das ist der Steuerzahler)


Fast als Hohn wird zusätzlich auch noch bestätigt das die Werftindustrie damit dem Boden gleich gemacht wird


“werden in den kommenden zwei bis drei Jahren keine neue Schiffe bestellen", sagte er. "Dadurch wird es bei Werften und Zulieferern sicherlich zu dramatischen Ausfällen kommen", so der Costa-Chef.”

(WIRTSCHAFTS Woche

SAMSTAG, 07. NOVEMBER 2020

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts/DJ)


Kein einziges dieser Kreuzfahrtschiffe führt Steuern in Deutschland ab.

Zusätzlich wird mit dem Fahren unter billig Flagge an Sicherheit, Hygiene und Arbeitslohn gespart.


“Am Heck der Schiffe wehen Fahnen in allen Farben, nur nicht in schwarz-rot-gold. „Es gibt eine ganze Reihe von Flaggen, unter denen viele Schiffe fahren, obwohl ihre Eigentümer in anderen Ländern sitzen. Diese Billigflaggen erlauben aber schlechtere Arbeitsbedingungen oder haben laschere Standards. Dadurch sparen die Reeder Kosten“, erklärt Maya Schwiegershausen-Güth, die sich bei der Gewerkschaft Verdi mit der Thematik beschäftigt.


So fahren die mit dem großen roten Kussmund verzierten Schiffe von Aida lieber unter italienischer Flagge, so wie viele andere Schiffe des Mutterkonzerns Carnival. Am Heck der „Mein Schiff“-Flotte von Tui Cruises weht die Flagge von Malta. Und die edlen Cruiser von Hapag-Lloyd, ebenfalls ein Tochterunternehmen von Tui, fahren unter der Flagge der Bahamas. „Heute gibt es in Deutschland kein einziges Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge“


In Malta zum Beispiel sind zwölf Stunden Arbeit am Tag erlaubt. Der Kündigungsschutz fällt weg. Vor allem muss sich keine Reederei mehr Gedanken um den Mindestlohn machen, der in Deutschland gelten würde.


So machte Tui Cruises, die Nummer Zwei auf dem deutschen Markt, 2016 einen Umsatz von 843,7 Millionen Euro – und dabei einen Gewinn von 195,1 Millionen Euro. Von diesem Gewinn musste Tui jedoch nur 240.589 Euro Steuern abführen.

Das macht eine Steuerquote auf den Gewinn von 1,1 Prozent.


Marktführer Carnival, Mutterkonzern von Aida, zahlte laut Geschäftsbericht zuletzt gar keine Steuern – der Konzern erhielt eine Rückzahlung. Genauso wie die Nummer drei der Branche, MSC. Sie konnten ihre Investitionen in neue Schiffe abschreiben.

(von Jacqueline Goebel Wirtschaftswoche

://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/steuern-sparen-mitarbeiter-ausnutzen-300-stunden-fuer-900-euro/21133360-2.html)


Schon vor ein paar Jahren hat Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) es offenbar eilig Kreuzfahrtindustrie mit Steuergeldern unter die Arme zu greifen.


“Bereits vergangene Woche posaunte er über die "Deutsche Presse-Agentur" die Lösung hinaus. Die Kreuzfahrtreedereien sollen den Landstrom preiswerter bekommen. Sie sollen von 80 Prozent der EEG-Umlage, mit der der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert wird, befreit werden. Pro Kilowattstunde Strom sollen sie laut Tschentscher nicht mehr 6,405 Cent, sondern nur noch 1,281 Cent Umlage bezahlen


Dennoch soll der Staat laut Tschentscher dann 1,6 Millionen Euro übernehmen. Als Anreiz sozusagen. Verpflichten möchte der Staat die Reedereien nicht zur Landstromnutzung. "Der Erste Bürgermeister ist nicht für Zwang", erläutert Tschentschers Sprecher Marcel Schweitzer im Gespräch mit Panorama 3. Die Reedereien könnten also auch künftig an der Diesel-Variante festhalten, wenn diese trotz Staatshilfe für den Landstrom billiger sein wird.

(Panorama3 2016)


Und hier noch ein paar Artikel und Schlagzeilen die es fraglich erscheinen lassen wie in solchen Zeiten solche Entscheidungen möglich sind.


“Carnival und Royal Caribbean erhalten britische Coronavirus-Hilfe nach Ablehnung in den USA”“

(Rosie Spinks, Skift Jul 16, 2020)


"Es ist unglaublich, dass Großbritannien Unternehmen rettet, die Steueroasen nutzen, mit minimalen Bedingungen", sagte Alex Dunnagan, ein Forscher bei TaxWatch. "Wir zahlen 300 Millionen Pfund für ein Unternehmen (Carnival), das letztendlich einem liberianischen Unternehmen gehört, und weitere 25 Millionen Pfund für ein Unternehmen (Royal), das in Panama doppelt gelistet ist.”

(Rosie Spinks, Skift Jul 16, 2020 )


In Gross Britannien wird der Kreuzfahrtindustrie auf Kosten der Steuerzahler geholfen obwohl sie auch dort keine Steuern zahlen. In Amerika wurde zumindest Stimmen laut Firmen registriert in dubiosen Ländern nicht zu unterstützen.”


"Sie sind keine Amerikaner" - Demokraten wollen die Hilfe für Kreuzfahrtunternehmen blockieren

(CLN Oktober 2020)


(kein einziges Unternehmen ist Amerikanischer Steuerzahler wollte aber Gelder vom Staat)



Autor: Stephan Busch, Akademischer Direktor an der Staatlichen Universität für Geisteswissenschaften Moskau RGGU, der Fakultät für Tourismus und Gastgewerbe und der Swiss International University, erwarb sein Master-Zertifikat in Hospitality Management an der Cornell University, USA. Er verfügt über vielfältige Erfahrungen in der Inbetriebnahme, Geschäftsentwicklung und Serviceschulung für Hotel- und Kreuzfahrtunternehmen in Asien, Europa, Kanada und Russland.

www.itsjusthotelsservice.com, contact@itsjusthotelsservice.com


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