• Stephan Busch

Von Köchen, Kellnern und LKW-Fahrern. Wie tief kann man noch sinken?



Gastronomie öffnet langsam wieder aber wird, mit den noch bestehenden Einschränkungen, weniger Geschaeft und noch mehr Pleiten erleben müssen. Der Tourismus kann sich nur sehr langsam erholen da die Luftlinien noch unter 50% der Kapazitäten der Vor – Pandemiezeiten fliegen.


Das Personal fehlt an allen Ecken und enden was nicht nur in Hotellerie und Gastronomie gespürt wird, sondern wie man in England sieht auch bei der Belieferung durch LKW-Fahrer. Dort liegt es zum Teil auch am Brexit aber es verdeutlicht was das eigentliche Problem in ganz Europa ist.


Auch die Flughäfen leiden unter Personalmangel. FRAPORT, Betreiber des Frankfurter Flughafens, hat bis zu 6.000 entlassen. Die lassen sich auch nicht einfach ersetzen da nicht jede neue Aushilfe sofort einen Jumbo-Jet betanken kann, die Verkehrsregeln eines Flughafens kennt und nicht jeder sofort weiß was der Unterschied zwischen Gepäck und Fracht ist. In Hotellerie und Gastronomie trifft das genauso zu wie bei Pflegern oder Lastkraftfahrern. Auf meinem Flug vor einer Woche entschuldigte sich der Kapitän für die Verspätung mit der Begründung das dies jetzt regelmäßig vorkommt da die Abfertigung einfach nicht so schnell wie normal geht. Das bei 50% Auslastung! Was passiert bei 70% Auslastung?


Köche und Kellner wurden Jahr zu Jahr schlechter bezahlt und behandelt. “Outsourcing” war das Schlachtwort das den Arbeitsmarkt ruinierte und Mindestlöhne perfekt umgehen ließ. Während der Lockdowns haben viele gelernt das es ein angenehmeres Leben als die Gastronomie gibt das bei kürzerer Arbeitszeit genauso viel oder mehr zahlt.


In England überlegt man jetzt wieder Visa auszustellen da man auf billige Arbeitskräfte aus anderen Ländern hofft. Es gibt genug Menschen auch in England die Lastwagen fahren können, aber die muss man fair bezahlen.


Es ist ein politisches Versagen das Mindest- und Tariflöhne nicht mehr gezahlt werden, sondern Zeitarbeit, Leiharbeit und Outsourcing unterstützt werden. Jetzt zu jammern das niemand mehr zu den Bedingungen arbeiten will ist beschämend. Wie tief runter kann man noch kommen?


Die Behauptung das, wenn fair bezahlt wird, man nicht mehr Konkurrenzfähig ist muss wohl als Witz gemeint sein. Millionen und Milliarden sind an Vorstands Bonus und Gehälter möglich, Milliarden für Beraterfirmen und noch ein paar Millionen mehr an Schmiergeldern für Maskendeals, Cumex Geschäfte, und, besonders im Moment, die Pharmaindustrie. Pfleger, Köche, Kellner und Lastwagenfahrer könnten für einen Bruchteil dieser Gelder fair bezahlt werden. Wir haben ein Verteilungsproblem wie es aussieht. Mal sehen ob einer der Politiker das lösen kann.


Eines der Argumente dagegen ist das gerade die kleinen Betriebe sich das nicht leisten koennen. Warum nicht? Weil sie zu viel Steuern zahlen die den grossen Betrieben erlassen werden. Damit ist es dann wieder ein Fall fuer die Politik! Schreit nicht nach Kellnern und Köchen solange Ihr nicht bezahlen wollt!



Stephan Busch verfügt über eine unschätzbare und vielfältige Erfahrung in der Hotellerie, die von Führungspositionen bei den renommiertesten Hotel- und Resortunternehmen bis zur Projektentwicklung - Inbetriebnahme, Geschäftsentwicklung - für Hotel- und Kreuzfahrtunternehmen in Asien, Europa, Kanada und Russland reicht .

Seine Expertise umfasst nicht nur die Planung, Eröffnung und den Betrieb von Hotels, internationalen Golfclubs, Flughäfen, Resorts und Kreuzfahrtschiffen, sondern auch die erfolgreiche Umstrukturierung und Neupositionierung von Unternehmen während der Finanzkrise in Asien.

Stephan Busch erwarb sein Master-Zertifikat in Hospitality Management an der Cornell University, USA und war viele Jahre Akademischer Direktor / Fakultät für Hospitality & Tourismus an der Staatlichen Universität für Geisteswissenschaften der RGGU Moskau sowie an der Internationalen Schweizer Universitaet, St. Petersburg


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