• Stephan Busch

5 Gründe warum wir immer noch in Gastronomie & Hotellerie arbeiten wollen.



Gastronomie & Hotellerie haben sich einen schlechten Ruf als Arbeitgeber über Jahre selbst erarbeitet und jetzt mit den Politischen Maßnahmen, Lockdowns und Beschränkungen noch einen weiteren, erheblichen Schaden erlitten. Was früher immer eine sichere Quelle war um einen Job zu bekommen oder ein bisschen Geld dazu zu verdienen ist heute eines der unsichersten Arbeitsfelder für Angestellte, Aushilfen aber auch kleinen Besitzern.


Die Proffesionellen Berufe wie Koch, Restaurantfachmann oder Hotelkaufmann sind schon lange vorher von der Industrie selbst beseitigt worden. Lange Zeit zwangsgeschlossen können Hotels, Restaurants, Bars und Veranstaltungen jederzeit wieder geschlossen werden was alle, die gezwungen waren Arbeit woanders zu finden, davon abhält zurück zu kehren.


„Viele, die früher im Tourismus gearbeitet haben, haben eine andere Art von Arbeit gefunden“, sagt Marco Fontanari, Restaurantbesitzer und stellvertretender Leiter der Geschäftslobby Confcommercio in der nördlichen Provinz Trentino.

Eine Umfrage in Deutschland ergab, dass etwa 42 % der Hotels und Restaurants ihre Mitarbeiter in andere Branchen wie Einzelhandel, Logistik oder Krankenhauskantinen gewechselt haben.

„Sie sagen, dass sie lieber abwarten, als die Stabilität der Sozialversicherungssysteme aufzugeben.“ Warum wollen viele dann noch dort arbeiten?“

Angelo Amante von Reuters Veröffentlicht bei Skift Juni 2021

Warum also wollen viele noch immer in Hotels & Gastronomie arbeiten?

  1. Weil es Spaß macht!

Das habe ich jetzt oft gehört und es stimmt natürlich das wir alle die wir lange dabei sind den Spaß, die Teamarbeit genossen haben. Wenn ich bedenke wie viele Menschen in Berufen arbeiten die sie nicht mögen und am liebsten morgen aufhören wollen ist das ein sehr guter Grund. Ich muss allerdings dazu sagen: Spaß kann man nicht essen. Wenn man eine Familie ernähren will, etwas sparen möchte oder einfach nicht schlechter dastehen will als Arbeitnehmer in anderen Berufen ist Spaß allein ein schlechtes Argument.

  1. Weil man Karriere machen kann.

Stimmt man braucht kein Abitur oder einen Doktor Titel um anzufangen und aufzusteigen. Leider ist es heutzutage aber doch so das normale Mitarbeiter aber auch Mittelmanagement so schlecht bezahlt werden das man schon sehr weit nach oben schauen muss damit sich das lohnt. Das erhöht auch die Chance einen unqualifizierten Vorgesetzten zu haben was sehr demotivierend sein kann. Karriere in den Großen Hotelketten kann man machen, wenn man Standard Operating Procedures auswendig lernt und die Tretminen die unter den Corporate Büroteppichen liegen vermeidet. Ob das noch Spaß macht ist eine andere Frage. Da sich aber fast alle Hotelketten kaum noch unterscheiden ist es zumindest leichter zu wechseln sollten sich Möglichkeiten ergeben.

  1. Weil es weitaus abwechslungsreicher als jeder Bürojob ist

Stimmt. Viele von uns lieben gerade das immer etwas los ist, man es mit vielen oft interessanten Menschen und auch vielen Idioten zu tun hat, viele Stress Situationen erlebt und oft selbst lösen muss. Das Ganze hat natürlich auch seine Kehrseite und kein Bürojob verlangt so viel unbezahlte Überstunden, harte körperliche Arbeit und an einigen Tagen ist die gefühlte Menge der Idioten einfach grösser als die der interessanten Menschen. Abwechslungsreich auf jedem Fall.



Was macht einen Hospitality Job attraktiv?

Kurz und gut: Jobs in der Hotellerie bzw. im Gastgewerbe bleiben trotz Krise höchst attraktive Berufe für Menschen, die gerne mit Menschen zusammenarbeiten. Es gibt kaum einen Beruf, der weltweit so viele spannende Jobs und Herausforderungen bietet. Als Hotelier stehen mir die Türen zur weiten Welt offen. Heute arbeite ich in Tokio, morgen in Zermatt, übermorgen in Paris usw. Welcher andere Beruf bietet solche Optionen?

Es wird immer wieder behauptet, man verdiene als Hotelier nicht so viel, die Löhne seien eher niedrig – im Vergleich zu den Banken und zu Positionen in der Industrie. Nun, der Vergleich mit Banken und Top-Positionen in der Industrie hinkt. Das sind völlig andere Welten, da geht es den Protagonisten, pauschal gesagt, eigentlich nur um Karriere und Geld. In der Hotellerie ist das anders, da sind Aspekte wie persönliche Befriedigung, soziale Kontakte, Verantwortung für Menschen und Gäste und vieles mehr relevant. Gastgeber sein ist eine tolle und höchst befriedigende Tätigkeit, ja es ist eine Berufung, es ist Leidenschaft! Etwas ketzerisch gefragt: Worin liegen Berufung und Leidenschaft beim Geld zählen auf einer Bank?

Hans R. Amrein, Publizist, Hotelexperte und Dozent an der EHL Hotelfachschule Passugg. Juni 2021

  1. Weil man die Möglichkeit hat die Welt zu sehen während man Arbeiten und Geld verdienen kann

Stimmt auch. Ich habe in 14 Ländern und mehr als 30 Jahre im Ausland gearbeitet und über 140 Laender beruflich bereist. Ohne den Beruf hätte ich mir dies sicher nie leisten können. Außerdem habe ich zu meiner Freude gelernt das man im Ausland weitaus besser verdient als in meinem Heimatland. Man sollte sich aber auch im Klaren sein das zum Beispiel ein Job auf einem Kreuzfahrtschiff oft bedeutet das man exotische Länder oft nur durchs Bullauge sieht oder einfach nur so todmüde von der Arbeit ist das man gar nicht raus will. Es ist natürlich Paradiesisch auf den Malediven zu arbeiten aber irgendwann sind einem Palmen und Sonne zu viel und der Inselkoller kann einen einholen. Nach all den Jahren möchte ich nicht ausrechnen wieviel Zeit ich auf Flughäfen, Bahnhöfen und in Staus verbracht habe nur um zur Arbeit zukommen. Es bleibt aber trotzdem ein guter Grund in unserem Beruf zuarbeiten auch wenn ich heute lieber Kurzstrecke fliege.



  1. Toleranz Respekt und Globale Freundschaft

Das sind drei Dinge die man in der Hotellerie nach ein paar Jahren im Blut hat. Wir sind unwahrscheinlich tolerant da wir sonst gar nicht mit unseren Aufgaben, unseren Gästen und unserm Personal klarkommen würden. Wir respektieren jeden egal welche Rasse oder Hautfarbe für uns zählt nur der Mensch selbst. Wir erwarten allerdings auch dafür Respekt und fallen nie auf die Knie um uns zu unterwerfen und erwarten das auch von niemanden. Wir brauchen keine Regenbogen Farben am Ärmel da wir jedem sein Geschlechtsleben gönnen und es uns auch nichts angeht. Nach vielen Jahre im Ausland - als Ausländer - haben wir viele Freunde weltweit und werden erst intolerant, wenn jemand generell über den Chinesen, den Russen, den Afrikaner herzieht da dies viele unserer Freunde betrifft.


Alle zusammen wird die Nach Corona Zeit schwer für Hotels und Restaurants werden aber es werden sich auch viele neue Chancen auftun. Über die Arbeit und Lohnbedingungen kann man sicher nicht glücklich sein aber nur beschweren bringt gar nichts. Wir müssen alle daran arbeiten, dass sie sich zum besseren ändern.


Also Hotel & Gastronomie? Kann ich nur empfehlen!


Autor: Stephan Busch, für viele Jahre Akademischer Direktor an der Staatlichen Universität für Geisteswissenschaften Moskau RGGU, Fakultät für Tourismus und Gastgewerbe und der Swiss International University, erwarb sein Master-Zertifikat in Hospitality Management an der Cornell University, USA. Er verfügt über vielfältige Erfahrungen in der Inbetriebnahme, Geschäftsentwicklung und Serviceschulung für Hotel- und Kreuzfahrtunternehmen in Asien, Europa, Kanada und Russland.

www.itsjusthotelsservice.com, contact@itsjusthotelsservice.com


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